
Ich bin Felix, ich laufe von Mexiko bis nach Kanada. In 100 Tagen. Ab dem 04.05.2022 bin ich auf dem Pacific Crest Trail unterwegs, 4279 Kilometer von Campo nahe der Mexikanischen Grenze bis nach Manning Park, Kanada. Das entspricht im Schnitt einem Marathon am Tag. Zu großen Teilen werde ich durch Nationalparks, Naturparks und Wildnis gehen, durch drei Staaten und acht verschiedene Klimaregionen. Von der Mojave Wüste im Süden Kaliforniens über die Sierra Nevada und den höchsten Berg in Kontinental Nordamerika, Mount Whitney (4421 ü.n.n.) bis in die südliche Kaskadenkette ist alles dabei. Nach meiner Überquerung des Fagaras-Gerbirges in den rumänischen Südkarpaten, der montenegrinischen Crnogorska Transverzala und über 1000 Kilometer auf dem Te Araroa in Neuseeland stellt der PCT die wohl größte Herausforderung für mich bisher dar.

Pacific Crest Trail
Der 1993 fertiggestellte Pacific Crest National Scenic Trail (kurz PCT) ist ein 2,653 Meilen (4,270 km) langer Fernwanderweg, im Westen der USA. Er erstreckt sich von der Mexikanischen Grenze in Südkalifornien bis zur Kanadischen Grenze im Norden von Washington. Dabei folgt der Trail den höchsten Zügen der Sierra Nevada sowie der Kaskadenkette und durchquert dabei 25 National Forests und sieben Nationalparks. Unter anderem führt der Pfad durch das Sand to Snow National Monument, Yosemite National Park, Laasen Volcanic Park, Sky Lakes Wilderness sowie Mount Rainier National Park und folgt dem John Muir Trail durch die Sierra Nevada. Seinen höchsten Punkt erreicht er auf dem Forrester Pass auf 4009m.


Als „Thru-Hiking“ wird das Durchwandern eines Trails in seiner gesamten Länge verstanden. Auch wenn die meisten Wanderer auf dem PCT nur einzelne kleine Abschnitte begehen wird das Thu-Hiking immer populärer. 2019 wurden bereits 4748 Permits für das Wandern von Süd nach Nord (NOBO) von der Pacific Crest Trail Association ausgestellt, während es 2016 nur 3059 waren. Wie viele davon tatsächlich auf dem Trail unterwegs waren, bzw. wie viele den kompletten Trail durchwander haben, ist unklar. Permits werden von der PCTA ausgegeben, um die Anzahl an Personen, die zur gleichen Zeit mit dem Trail starten, zu reduieren und damit die Natur, die den Trail so besonders macht, zu konservieren. Ein Permit wird bei einer Wanderung ab 500 zusammenhängenden Meilen benötigt.
Als Thru-Hiker auf dem PCT ist man den unterschiedlichsten Witterungsbedingen ausgesetzt. In den Wüsten-Regionen Südkaliforniens gibt es nur sehr wenig Wasser, prallende Sonne und Temperaturen bis zu 45 Grad. Klapperschlangen und Kakteen gehören dort zu den größten Gefahren. Die scheuen Pumas lassen sich nur selten blicken. Das Hochgebirge der Sierra Nevada wartet mit Schnee, Eis und Höhen bis auf über 4000 auf. Hier werde ich zusätzlich zu meiner regulären Ausrüstung noch Grödel, eine Eisaxt und einen Bärenkanister, um mein Essen vor Grizzly-Bären zu schützen, benötigen. In den nördlichen Regionen, vor allem Washington, gehören Schwarzbären, Moskitos und tagelange Regenfälle zum Alltag. Auch ein Wintereinbruch ist im September nicht unwahrscheinlich.


Der PCT ist im Gegensatz zu Europäischen Fernwanderwegen wie dem Jakobsweg eher naturnah und wildnissorientiert. Die einzelnen Abschnitte zwischen Städten oder Dörfern sind im Schnitt etwa 4-7 Tage lang. Die Hauptunterkunft auf dem Trail ist daher das Zelt oder das so genannte „Cowboy-Camping“ unter freiem Sternenhimmel. Oftmals erreicht man mit dem Trail nur eine Straße oder einen anderen Wanderweg, der zurück in die Zivilisation führt. An Straßen ist es oft notwenig, per Anhalter in die nächste Stadt zu fahren um dort Lebensmittel für den nächsten Abschnitt einzukaufen. Bei so einer Gelegenheit gönnt man sich dann oft etwas gutes zu Essen oder ein wohlverdientes Bier.
Ernährung auf dem Trail ist oft nicht einfach und meistens sehr ungesund. Wenn man Essen für bis zu einer Woche tragen muss, achtet man sehr genau darauf, was und wie viel man mitnimmt. Dazu kommt, dass bei einem Pensum von im Schnitt 42 Kilometern und 2000 Höhenmetern am Tag der Kalorienbedarf extrem hoch ist. Zu meinem Lieblings-Trail-Food gehören Couscous, Erdnussbutter, verschiedene Nüsse, Salami, Ramen, Haferflocken, Wraps und Nutella. Alles hat eine hohe Kaloriendichte, wenig Wasser und lässt sich schnell zubereiten. Zum Frühstück gibt es Porridge mit Nüssen, Mittags ein paar Wraps mit Käse und Salami oder Nutella und Abends dann eine große Portion Couscous mit Erbsen oder Ramen. Zwischendurch gibt es Schokolade, Schokoriegel, Nüsse oder ein grpßer Löffel Erdnussbutter. Kulinarisch keine Meisterklasse, aber nach einem ganzen Tag wandern im Regen schmeckt alles.
